{"id":47,"date":"2023-11-07T20:01:49","date_gmt":"2023-11-07T20:01:49","guid":{"rendered":"https:\/\/organic-tapestry.de\/?page_id=47"},"modified":"2024-01-10T19:32:27","modified_gmt":"2024-01-10T19:32:27","slug":"texts-texte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/organic-tapestry.de\/?page_id=47","title":{"rendered":"[ texte ]"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Rainer Be\u00dfling: Einf\u00fchrungsrede &#8222;louder.than.bombs&#8220;<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p>in der GaDeWe  7. x. 2022 | Bremen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Vor einigen Jahren traf ich Christian Plep in der Villa Sponte. Mir waren einige seiner Arbeiten aus Gruppenausstellungen des Blaumeier-Ateliers bekannt. Seine Bilder waren mir sofort aufgefallen, durch ihre stille Pr\u00e4senz. Er gab mir damals eine Brosch\u00fcre mit einigen Abbildungen, klein, aber eindrucksvoll. Dabei klang an, dass ich vielleicht irgendwann zu seiner Kunst etwas schreiben sollte. Die Brosch\u00fcre fiel mir danach oft in die H\u00e4nde. Nun ist der Schreibfall eingetreten. Und ich freue mich dar\u00fcber. Manche Zeitungen f\u00fcgen ihren Artikeln inzwischen einen \u201eTransparenz-Hinweis\u201c bei. Dort werden Verstrickungen der Schreibenden mit dem Personal des Textes oder dem Thema ausgewiesen. Mein Transparenz-Hinweis lautet: Ich mag die Arbeiten von Christian Plep.&nbsp; &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>So m\u00f6chte ich auch gleich an den Anfang stellen, was h\u00e4ufig zum Schluss kommt: eine \u00e4sthetische Bilanz, die ich als meine ganz eigene, selbst empfundene verstanden wissen m\u00f6chte. F\u00fcr das, was sich in den ersten Sekunden der Begegnung mit Kunst einstellt, versuche ich nun auf einem l\u00e4ngeren Weg Worte zu finden. Ich m\u00f6chte die Bilder nicht im klassischen Sinn beschreiben, sondern lieber dar\u00fcber sprechen, was sie in mir ausl\u00f6sen. Kunst wird vielfach als etwas Gegebenes, Gegenst\u00e4ndliches und Essentielles behandelt. Dabei geht es doch eigentlich um den Austausch, um Aufnahme und Anschluss, was je nach Betrachtung und Betrachtenden erheblich variiert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Was die Wortfindung erschwert: Christian Pleps Malerei l\u00f6st bei mir nicht vorrangig ein Nachdenken aus, sondern hinterl\u00e4sst eher einen Nachhall. Es treten keine Bildgeschichten auf, sondern ein Bildgeschehen. Seine Motive und Strukturen sind im Kunstkosmos keine Solit\u00e4re, aber gerade deshalb kann ich ihren besonderen Klang wahrnehmen. Wer w\u00fcrde zu einem Musikst\u00fcck sagen, dass er die zw\u00f6lf T\u00f6ne ja schon irgendwo mal geh\u00f6rt hat? Christian Pleps Arbeiten ber\u00fchren unmittelbar und leise. Sie kommen unaufgeregt und zur\u00fcckhaltend daher, zart, aber eindringlich. Sie weisen ein \u00fcbersichtliches Formrepertoire und ein \u00fcberschaubares Farbspektrum auf. An ihnen wird sichtbar, welcher Reichtum in der Reduktion liegt. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser K\u00fcnstler besitzt eine eigene Stimme, auch wenn seine Arbeiten in \u00dcberlieferungen verankert sind. Er verf\u00fcgt \u00fcber ein stoffliches und motivisches Format, in dem sich das Malen in seiner Materialit\u00e4t und seinem Gemachtsein darstellt. Er verbindet Abstraktion und formale Klarheit mit Erz\u00e4hlung. Seine Bildsprache ist subtil und physisch zugleich, gedanklich und handwerklich, nicht intellektuell, aber klug bedacht. In diesem Katalog pr\u00e4sentiert er verschiedene Aspekte seiner k\u00fcnstlerischen Arbeit, assoziativ und auf formale Verwandtschaften der Exponate reagierend. Wir treffen nicht auf eine Chronologie oder thematische Auff\u00e4cherung, sondern auf ein Netz, in dem sich Vokabular und Grammatik seiner Bildsprache verfangen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Beginnen m\u00f6chte ich mit Bemerkungen zu einer Serie, die Christian Plep&nbsp; \u201eRandnotiz\u201c nennt. Sie lie\u00dfe sich exemplarisch f\u00fcr das Gesamtwerk sehen. Auf grauem Grund treffen lineare grafische und malerische fl\u00e4chige Anteile aufeinander. Buntstift und \u00d6l spielen zusammen. W\u00e4hrend die Zeichnung einen Verlauf markiert, schafft die Malerei Raum. Sie l\u00e4sst \u00dcbert\u00fcnchtes durchscheinen und zieht damit den Blick in tiefere Schichten. Dem Titel entsprechend k\u00f6nnten die Linien und Strichformationen als Schrift gelesen werden. Diese tritt aber nicht mit semantischem Gehalt auf, sondern spiegelt zeichenhaft und formal den Modus eines Notats wider, einer beil\u00e4ufigen, lakonischen Anmerkung, die an den R\u00e4ndern eines Geschehens angesiedelt ist, mutma\u00dflich wenig Einfluss hat und von den Ereignissen schon wieder \u00fcbersp\u00fclt wird. Allerdings wirkt sie unter der T\u00fcnche weiter als ein unbestimmtes, konturenloses Rumoren. &nbsp; &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die kleinen Hochformate in gleicher Gr\u00f6\u00dfe von 30 mal 20 Zentimetern sind nebeneinander und nacheinander entstanden. Sie nehmen Aspekte von Wiederholung, Entwicklung und Ver\u00e4nderung in einem lange w\u00e4hrenden Arbeitsprozess auf. Das kleine Format und die einfachen Formen offenbaren strategische Beschr\u00e4nkung und Understatement. Ein \u201etiefer H\u00e4ngen\u201c des Kunstwerks, das nach dem ihm und dem K\u00fcnstler eigenen Ma\u00df und passenden Verh\u00e4ltnis zwischen Wirklichkeitszugang und Darstellung sucht. Zugleich entwickelt sich in jeder noch so kleinen Arbeit &#8211; und vielleicht gerade in ihr &#8211; etwas intim Monumentales: die Ausformung des k\u00fcnstlerischen Ausdrucks, die Arbeit am eigenen k\u00fcnstlerischen Tun. Laut Plep vollzieht sich in den Randnotizen ein Kerngeschehen: der Weg in eine Lockerheit, die Toleranz gegen\u00fcber eigenen Fehlern, die stehen blieben, ein Dehnen, Verschieben, \u00dcberwinden von Grenzen. Vor allem das \u00dcbersteigen des eigenen Wissens. Die Randnotizen sind somit eine Chronik pers\u00f6nlicher \u201eZeitenwenden\u201c: Erleben statt Denken, Erfahrung statt Auslegung, Gef\u00fchl statt Verstand. Eingebung statt Planung.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bezug zur Schrift baut eine Br\u00fccke zu einigen wenigen biografischen Bemerkungen. Christian Plep hat in diesem Jahr einen Band mit Gedichten ver\u00f6ffentlicht. Der Titel: \u201eKapern f\u00fcr die Seele\u201c. Mir gef\u00e4llt er. Er kapert die Metaphorik der Sprache als Seelen n\u00e4hrendes Futter mit einer w\u00fcrzigen Knospe. Au\u00dferdem ist der Maler auch Musiker, genauer gesagt Schlagwerker, mit einer Neigung zur Syn\u00e4sthesie. Dass ein quietschendes Knallgelb in seinen Bildern nicht vorkommt, liegt daran, dass diese Farbe ihn wie ein Ohren bet\u00e4ubender L\u00e4rm erreicht. Wichtig f\u00fcr seine k\u00fcnstlerische Entwicklung sind Erfahrungen aus dem Blaumeier-Atelier: Freiheit, Leichtigkeit, Witz, Mut, Offenheit, Gelassenheit ist er dort begegnet. Nicht zu vergessen: der K\u00fcnstler ist auch Tischler. Wie dies nun alles zusammenwirken mag, w\u00e4re ein eigenes Thema. \u00dcber den Rhythmus seiner Bilder lie\u00dfe sich eigens nachdenken, \u00fcber den melodischen Charakter der Linien, die Farbkl\u00e4nge und \u00fcber die materialsatten Fl\u00e4chengewichte, wie in \u201eBlue &#8211; White Painting\u201c oder \u201eZuf\u00e4lliges Rosa\u201c. Dort wird die Farbe zu einer Form mit der physischen Wirkung eines Raum greifenden Objekts.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Christian Plep sind die verschiedenen Medien eigene Str\u00e4nge. So als w\u00fcrden Schreiben und Musizieren die bildk\u00fcnstlerische Arbeit flankieren, sp\u00fcrt er in seiner Malerei einer Kernfrage nach: Wie kann ich Aussagen und Empfindungen transportieren, ohne konkrete figurative, also darstellende und abbildende Mittel zu verwenden? Bild also zwischen Wort und Klang, sich \u00f6ffnend, nicht einschlie\u00dfend.<\/p>\n\n\n\n<p>Was in Texten zu Christian Plep immer wieder auftaucht, sind Bemerkungen zur Bedeutung des Stofflichen. Dem ist nur zuzustimmen: Der Dialog mit dem Material, wie das gerne genannt wird, ist zentral. Allerdings auch keine \u00fcberraschende Diagnose im Kunstkontext. Bei Plep pr\u00e4gen Material und Format jedoch ganz essentiell das Werk. Hier kommen als Bildtr\u00e4ger oft Fundst\u00fccke in einem neuen Zuschnitt und in neuen Verbindungen zum Einsatz, die ein spezifisches Arbeiten einfordern. An \u201earte povera\u201c erinnern sie manche, in der das Marginale und Ephemere in seiner Authentizit\u00e4t stofflichen Reiz gewinnt. H\u00e4ufig sind es auch Materialien, die ein schnelles Arbeiten verlangen. So bleiben in der Formgebung der stoffliche Charakter und die Sprache des Materials erhalten. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Neben dem Material ist die Collage zentral. Weniger als Zusammenf\u00fchrung von Elementen aus unterschiedlichsten Bereichen, mehr als offene F\u00fcgung von Verwandtem und Vergleichbarem. Lose Verbindung an der Oberfl\u00e4che, aber starke Korrespondenz in der Substanz. Die Gestaltgebung entwickelt sich aus einem Kernelement heraus, zwischen Selbst\u00e4hnlichkeit und Unterschiedlichkeit. Eine einzige, einfache Form ist bildgebend in Wiederholung und Abweichung. So bleiben Natur und Anti-Natur, Organismus und Konstruktion in der Schwebe. Collage gleicht in manchen F\u00e4llen einem Mosaik, das anw\u00e4chst und wuchert.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Beispiel ist das Gro\u00dfformat \u201eat first light\u201c. Die lange Entstehungszeit ist nachvollziehbar. Werden und Werk spielen in der Wirkung zusammen. Verschiedene Materialien kommen in rechteckigen St\u00fccken unterschiedlichster Gr\u00f6\u00dfe zum Einsatz. Die Form f\u00fcgt sich eher prozesshaft als geplant. Linien und Kanten treten unterbrochen und gebrochen auf. Die Gestaltfindung ist zwischen Improvisation und Komposition angesiedelt. Gr\u00f6\u00dfere Rechtecke bilden Achsen und Fluchten, kleine f\u00fcllen die Zwischenr\u00e4ume. Gesamtheit und Eigenheit des Elements bleiben gleicherma\u00dfen sichtbar. Es gibt keinen Unterschied zwischen dem Ganzen und dem Einzelnen. Die Einheit entsteht aus Spannung. Spannend bleibt auch die Frage, ob es sich um eine Draufsicht oder Ansicht handelt. Schauen wir auf Wand, Boden, Architektur, vielleicht auf eine urbane Kartographie? Gleicht die obere Fl\u00e4che einem Horizont oder deutet sie eine Stra\u00dfe an?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Einen Gegenpol zu der gro\u00dfen Leinwand bilden kleinere Papierarbeiten, in denen sich ein schwebendes, fliegendes, um die eigene Achse rotierendes Strichb\u00fcndel in verschiedenen R\u00e4umen und auf unterschiedlichen Fl\u00e4chen einnistet. In einem W\u00fcrfel, zwischen zwei S\u00e4ulen, \u00fcber Gitterstrukturen oder einfach auf einem leeren Blatt auf einem unbeschriebenen Bildgrund. So als dringe die farbliche und zeichnerische Energie des K\u00fcnstlers in ein Bildformat ein. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Grundstruktur von \u201eAt first light\u201c&nbsp; findet im Werk Pleps manche Parallele. Vorlieben f\u00fcr Gitter und Raster sind erkennbar. Etwa in der Arbeit \u201eInnere Ordnung\u201c, in der Pappschachteln das Raster als ein gegliedertes Beh\u00e4ltnis materialisieren. Die US-amerikanische Kunstkritikerin Rosalind Krauss hat dem Ph\u00e4nomen einen ber\u00fchmten Essay gewidmet. Sie sieht im Raster die emblematische Bildorganisation der Moderne: eine \u00e4u\u00dfere und innere Ordnung, stofflich und gedanklich. Mit dem Gitter fand die Moderne die Form, mit der sie ihren Autonomie-Anspruch formulieren und sichtbar machen konnte. Das Raster hegt die Wirklichkeit als virtuelles Beziehungsnetz und gedankliches Strukturmodell ein. Es verweist auf die Kunst selbst und zugleich auf ihre F\u00e4higkeit, die sichtbare Wirklichkeit einzufangen. Das Raster zeigt sich als Koordinatensystem und als Kartografie. Seine Botschaft lautet: Es geht nicht darum, Wirklichkeit abzubilden, es geht darum Wirklichkeit in Rasterfahndung zu nehmen, also buchst\u00e4blich in eine mediale Obhut, ein mediales Framing.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gitter hat die Grenzen zwischen den visuellen und den (wort-)sprachlichen K\u00fcnsten durchl\u00e4ssiger gemacht und zugleich die bildende Kunst abgeschirmt gegen den Eindringling Text. Der Preis, den die bildenden K\u00fcnste f\u00fcr die Abschirmung gezahlt haben, ist ihre Ghettoisierung. Das Gitter als Form hat sich einerseits lange gehalten, zugleich hat es sich permanent gewandelt. Das Gitter oder Raster verweigert sich von seiner Struktur her der Entwicklung, zugleich h\u00e4lt seine Karriere als k\u00fcnstlerische Form ungebrochen an. Das Raster reizt nicht zuletzt durch Ambivalenzen: System versus Individualit\u00e4t, Regel contra Abweichung, Universalit\u00e4t gegen Einzelelement. Das Raster behauptet umfassende \u00dcbersicht, ist aber nur Ausschnitt. Das Raster dehnt sich in alle Richtungen \u00fcber den Bildrand hinaus aus und wirft die Frage auf: Ist das Bild eine abgeschlossene, eigene Einheit oder lediglich Fragment aus einem un\u00fcberschaubaren Kontinuum, nur eine willk\u00fcrliche, k\u00fcnstliche Gr\u00f6\u00dfe?<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gitter ist ein Fenster im und zum Bild, wie in der wunderbaren gro\u00dfformatigen Leinwand \u201estorm : n\u201c. Es ist Teil desselben und steht ihm zugleich gegen\u00fcber. Es verweist auf einen Gegenstand im Bild und auf das Bild als Gegenstand, also auf seine opake Schicht, mit der sich das Bild verkapselt und selbst sichtbar macht. Es verweist auf etwas, das im Verst\u00e4ndnis eines Bildes als Darstellung eines Inhalts unsichtbar ist. Die Basis des Rasters sind Material und Gestalt. K\u00fcnstler wie Mondrian oder Malewitsch wollten aber nicht Stoff und Form verhandeln, sondern Dasein, Bewusstsein. Aus ihrer Sicht ist das Gitter\/Raster eine Stufe zum Universellen. Form und Inhalt sind untrennbar.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gitter taucht auch in einer Arbeit auf, die einen verklausulierten Titel tr\u00e4gt: \u201e2 a.m.\u201c. Kunsthistorisch Versierte werden die Referenz vielleicht erkennen. Christian Plep widmet seine Bronze der kanadischen K\u00fcnstlerin Agnes Martin und schlie\u00dft an ihr Werk \u201eHomage to Greece\u201c, 1959, an. Homage to Greece (1959) besteht aus kleinen Quadraten wei\u00df bemalter Leinwand, gitterartig auf einer gr\u00f6\u00dferen quadratischen Leinwand collagiert, die wiederum auf eine Platte aufgezogen ist. Eine Reihe aus der Bildfl\u00e4che heraustretender N\u00e4gel folgt lose der waagerechten Linie, die von der Unterkante der obersten Quadratreihe gebildet wird, und spannt sich in einem leicht geschwungenen Bogen quer \u00fcber die obere Bildh\u00e4lfte. Plep hat die Leinwand in ein Bronze-Relief \u00fcbertragen. Spannung entsteht durch das Aufeinandertreffen von Raster bzw. Muster und Bogen bzw. Linie. Die Linie zeigt sich als Ansammlung von Punkten. Die K\u00f6rperlichkeit der Punkte oder Stifte steht der Fl\u00e4chigkeit der Leinwand gegen\u00fcber, das Gitter oder Netz als Ordnung trifft auf eine individuelle Spur. Statik und Verlauf spielen miteinander.<\/p>\n\n\n\n<p>Martins Bild wird als Beispiel f\u00fcr Arbeiten gesehen, die um das zentrale Problem kreisen, \u201ewie sich in konkrete Form bringen l\u00e4sst, was an sich immateriell ist und demnach ungeeignet f\u00fcr eine Verdinglichung.\u201c Vielleicht ist es diese ausgesprochen manuelle, das Individuelle nicht ausblendende, sondern bergende Geometrie, diese materialsatte Abstraktion als visuelles Erlebnis und k\u00f6rperliches Ereignis. Ein Beispiel daf\u00fcr ist die Decken- und Wand-Installation \u201ewe drift like worried fires\u201c. Wir treiben wie sorgenvolle, verst\u00f6rte, geplagte Lichter, Feuer &#8211; so lie\u00dfe sich der Titel \u00fcbersetzen. Wir sehen schwebende Kl\u00f6tze mit einem feuerroten Widerschein verteilt im Raum. Die Idee zu der Arbeit lieferte der gleichnamige Songtitel der kanadischen Band \u201eGodspeed You! Black Emperor\u201c von ihrem Album \u201eAllelujah! Don\u2018t Bend Ascend\u201c (2012).<\/p>\n\n\n\n<p>An dieser Stelle m\u00f6chte ich den K\u00fcnstler selbst zu Wort kommen lassen:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eImmer wieder machte ich Skizzen, um mich diesem Bild zu n\u00e4hern &#8211; doch ich war nie richtig mit meiner zweidimensionalen Darstellung zufrieden. So lag die Bildidee lange Zeit auf Eis &#8211; aber diese kraftvolle Vorstellung, dass wir alle wie Lichter umhertreiben, gefiel mir. Und mit dem Lauf der Jahre konnte ich aus diversen Str\u00f6mungen und Erfahrungen schlie\u00dflich das Werk 2019 erstellen. In der jetzigen Pr\u00e4sentation ist es erweitert und in dem h\u00e4rteren Schlaglicht der Pandemie pr\u00e4sentiert. Sind wir K\u00fcnstler*innen nicht mehr als sonst herumgeirrt und haben versucht, unser Licht am Brennen zu halten? Obwohl sie ,nur\u2018 instrumentale Musik spielen, sind \u201eGY!BE\u201c eine hochpolitische und systemkritische Band. Das hei\u00dft, das Element des gesungenen Wortes fehlt vollst\u00e4ndig, es gibt h\u00f6chstens Wortschnipsel als Samples. Sie m\u00fcssen also Empfindungen sowie Aussagen ohne das Vehikel der direkten Ansprache transportieren. Und \u00e4quivalent f\u00fchle ich mich als abstrakter K\u00fcnstler oft genau in dieser Rolle: Wie erschaffe ich ein Gef\u00fchl und einen gewissen Gehalt in meinen Werken f\u00fcr die Betrachtenden, ohne konkrete Darstellungen zu benutzen oder langwierige Erkl\u00e4rungen zu gebrauchen?\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei konkrete Beispiele einer Erschaffung von Gef\u00fchl und Gehalt in der Sprache der Abstraktion lassen sich hier nennen: \u201eflag for no state\u201c hei\u00dft die eine Reihe. Die Flagge als nationalstaatliches Symbol gleicht einer visuellen Hymne, der\u00a0 betont emotionalen Stiftung von Identit\u00e4t und Einheit verpflichtet. Christian Plep wurde zu seinen \u201eFlaggen keiner Staaten\u201c inspiriert, als er inmitten von Solidarit\u00e4t bekundenden gelb-blauen ukrainischen Fahnen ein wei\u00dfes Bettlaken sah. Dieses derzeit eher verp\u00f6nte Friedenszeichen oder Verhandlungsangebot \u00fcberschreibt Identit\u00e4t und damit Abgrenzung und Frontstellung. Der politische Symbolgehalt l\u00f6st sich in Pleps Streifenbildern in einer autonomen Formen- und Farbstruktur auf. Die Wiedergewinnung des \u00c4sthetischen l\u00f6scht das politische und damit auch potentiell zerst\u00f6rerische Symbol. Die partikularen Sichtweisen werden in eine universelle Perspektive transformiert. \u00a0 \u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Auf gesellschaftliche Krisenherde verweist auch die Reihe \u201eAsylum\u201c. Der Titel gebende Begriff bedeutet Zufluchtsst\u00e4tte, R\u00fcckzugs- und Schutzraum oder auch unantastbarer heiliger Bezirk. Bei Christian Plep ist er fragil, nicht wehrhaft und abgeschirmt. Der Status ist h\u00e4ufig prek\u00e4r: Asylanten sind gesch\u00fctzt und gefangen zugleich, aus der Gesellschaft gegangen und gefallen, unter einem Schutzschirm marginal und stigmatisiert. Diese Asyle sind kleine symbolische Behausungen f\u00fcr das Selbst, ein inneres Dasein, eine r\u00e4umlich abgegrenzte Identit\u00e4t, die gleichzeitig durch Uniformit\u00e4t und Konformit\u00e4t etwa wie in Bienenwaben gekennzeichnet ist. Asylum bedeutete auch lange \u201eIrrenanstalt\u201c und damit Isolation und einsame Konfrontation mit dem Innersten und Abgr\u00fcndigsten, Denken und Leben im Kreis, ohne einen Weg hinaus. Ausscherende W\u00e4nde f\u00fchren in Pleps Asyl-Bauten ins Nichts, bilden keinen Raum. Auch das Au\u00dfen, das Drau\u00dfen ist keine Alternative.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>An dieser Reihe wird Pleps Grundfrage nach dem Narrativ aus der Abstraktion heraus greifbar. Kunst, die sich auf die eigenen bildlichen Potentiale konzentriert, schw\u00f6rt nicht einer gesellschaftlichen oder politischen Relevanz ab. Kunst ist symbolisch und zielt auf Erkenntnis aus Empfindung. Alle Botschaften bedienen sich einer Einbettung in gestaltetes Objekthaftes mittels Geste, Zeichen und Sound. K\u00fcnstler sind Boten, wenn sie sich auf ihr Schaffen konzentrieren. Ihre Formgebung ist ihr Inhalt, damit geben sie ein Beispiel f\u00fcr die Gestaltung der Welt und mehr noch des Bewusstseins.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr das Motiv der Einladungskarte hat Christian Plep seine \u201eCut Shadows\u201c gew\u00e4hlt. Mit Lack gefasste Holzplatten ragen in den Raum und werfen einen Schatten auf die Wand. Der Verweis auf eine uralte Vorstellung von unserer Sicht auf die Dinge. Wir schauen nur auf ihre Schatten, die aufgrund ihrer Undurchdringlichkeit und Undurchl\u00e4ssigkeit f\u00fcr das Licht entstehen. Unsere Wirklichkeit ist das Abbild, von dem wir auf den Gegenstand schlie\u00dfen k\u00f6nnen. Die Welt erscheint vermittelt auf einem Display. Unsere F\u00e4higkeit zur Bildlekt\u00fcre ist unser Zugang zur Realit\u00e4t. Wir arbeiten an dem Bild, das wir vermitteln und an Bildern, die uns vermittelt werden. Damit ist die Kunst ein Quellbezirk von Erz\u00e4hlungen \u00fcber das Vorhandene.\u00a0 \u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/organic-tapestry.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/WeserKurier-5.Juli21-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-125\" srcset=\"https:\/\/organic-tapestry.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/WeserKurier-5.Juli21-768x1024.jpg 768w, https:\/\/organic-tapestry.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/WeserKurier-5.Juli21-225x300.jpg 225w, https:\/\/organic-tapestry.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/WeserKurier-5.Juli21-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/organic-tapestry.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/WeserKurier-5.Juli21-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/organic-tapestry.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/WeserKurier-5.Juli21-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Verpackungen, die niemals verrotten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zumindest, wenn man sie l\u00e4sst. Denn die Verpackungen von Capri-Sonnen, oder heute Capri-Sun, auszuradieren, gelingt auch der ambitioniertesten Pflanze nicht. Wie denn auch, bestehen die Saftt\u00fcten doch aus Plastik und Aluminium \u2013 Stoffe, die nun einmal nicht abbaubar sind. Sicher, die Strohhalme sind mittlerweile per Gesetz aus Pappe \u2013 kleben aber von einer Plastikh\u00fclle ummantelt an einer ebenso unkompostierbaren H\u00fclle. Christian Plep hat genau diese Verpackungen gesammelt \u2013 und 2\u200a265 von ihnen zu einer gro\u00dfen Rauminstallation zusammengef\u00fcgt. Sie h\u00e4ngt nun zwischen zwei Stahltr\u00e4gern \u00fcber einem alten Gleisbett \u2013 als eine Art untergehende Sonne. Doch diese Sonne hat nichts Idyllisches an sich \u2013 trotz des Titels \u201esehnsucht \u2013 in t\u00fcten gef\u00fcllt\u201c. Sie l\u00e4utet vielmehr den Abgesang der Menschheit ein. Denn dass wir eines sch\u00f6nen Tages an unserem M\u00fcll ersticken werden, scheint abgemacht. Jedenfalls, wenn die Menschen nicht ziemlich z\u00fcgig etwas an ihrem Verh\u00e4ltnis zur Natur \u00e4ndern. Wie uns die vergangenen anderthalb Jahre gezeigt haben, aber leider ein ziemlich frommer Wunsch.<\/p>\n\n\n\n<p>Mareike Bannasch<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Im Land der verm\u00fcllten Sonne&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Kreiszeitung 7. Juli 2021<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Auch Christian Plep setzt mit seinen minimal variierten Holzw\u00fcrfeln einen \u00e4sthetischen Schwebezustand um.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Harald Holstein zur Ausstellung Transplantation\/Kempten<\/p>\n\n\n\n<p>Allg\u00e4uer Zeitung vom 18. 8. 2020<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Alte Buchdeckel bearbeitet<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kr\u00e4ftiger wirken die Objekte von Christian Plep. Der K\u00fcnstler bearbeitet alte Buchdeckel, die im beginnenden Zerfall schon eigene St\u00e4rken entwickeln. W\u00e4hrend der gestalterischen Weiterarbeit nimmt Plep die Charakteristik der alten Buchfragmente gekonnt auf. Etwa wenn er alte Buchseiten wellig rafft und auf die betagte Vorlage klebt.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp; Werner Freikowski \u00fcber &#8222;Acchrochage13&#8220; Nordseezeitung<\/p>\n\n\n\n<p>Im November 2019<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Carla Johanna Frese Einf\u00fchrung <strong>&#8222;Hinter der T\u00fcr&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>28. April 2019&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Die Arbeiten von Christian Plep entstehen in einem langen Prozess. Manche Werke entstehen \u00fcber Jahre hinweg, werden verworfen, \u00fcberarbeitet und neu strukturiert, bis die gew\u00fcnschte Harmonie vorhanden ist. Plep arbeitet daf\u00fcr mit verschiedenen Mitteln. Zum einen sind seine Untergr\u00fcnde nicht immer rechteckige Leinw\u00e4nde \u2013 vielmehr baut er sich seinen Untergrund nach eigenen W\u00fcnschen aus Holz. So kann dieser auch mal unerwartete Kanten beinhalten, \u00fcber Eck gehen, bauchig sein, im 90\u00b0 Winkel von der Wand stehen oder aber auch als Kubus an der Wand sitzen \u2013 seine Malerei greift in den Raum ein und so hat er hat sich vom strengen Reglement des Rechtecks und der Leinwand gel\u00f6st. Der Untergrund wird oft mit Stoffst\u00fccken strukturiert \u2013 Quadrate, Streifen, kleine Rechtecke. Erst dann kommt die eigentliche Farbe zum Einsatz, die in mehreren verschiedenen Schichten aufgetragen wird. Auch die Stoffe k\u00f6nnen mehrere Schichten einnehmen und tragen so ma\u00dfgebend zur Gestaltung des Werkes bei. Wird doch gerade durch sie eine gewisse Plastik erreicht, die die Grenzen zwischen Malerei und Objekt verschwimmen l\u00e4sst. Auf diese Weise bekommen seine Werke auch eine einzigartige Licht- und Schatten Wirkung.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben der Struktur und der Plastik des Untergrundes spielt aber auch die Farbe eine zentrale Rolle in Pleps Werk. Die meisten seiner Werke sind eher monochrom in verschiedenen Grau- und Beigeschattierungen gehalten. Immer mal wieder trifft das Auge aber auch auf knalliges Blau oder Magenta. Wenn Plep Farbe einsetzt, dann soll diese leuchten und dem Betrachter sofort ins Auge fallen. Die Arbeit \u201eat first light 3\u201c ist f\u00fcr beide Arbeitsschwerpunkte ein sch\u00f6nes Beispiel. Einzelne Stoffrechtecke strukturieren den unteren Teil des Bildes. Selbst die kleinsten freien Fl\u00e4chen wurden mit einem passenden Stoffst\u00fcck gef\u00fcllt. Neben dieser Gestaltung und Strukturierung kommt die Farbe ins Spiel. Die Farbigkeit ist in verschiedenen beige\/braun und graut\u00f6nen gehalten, doch am \u201eHorizont\u201c erscheint ein Hauch von Magenta \u2013 nicht viel, aber gerade so, dass es genau ins Auge f\u00e4llt und der Arbeit einen ganz eigenen Charakter gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der bisher geschilderten Arbeitsweise wird den meisten von Ihnen bereits klar sein, dass Christian Plep nat\u00fcrlich auch gerne Neues ausprobiert. Er ist immer wieder auf der Suche nach einen neuen Materialit\u00e4t und auch nach neuen Themen. Ein Thema, dass seit 2018 vermehrt in seinen Arbeiten zu finden ist, ist die Repitation \u2013 die Wiederholung. In einigen seiner neueren Arbeiten besch\u00e4ftigt Plep sich mit der Darstellung der Zeit. Doch wie stellt man Zeit da? Etwas was keinen Anfang, kein Ende, keine Textur, kein einschl\u00e4giges Gef\u00fchl hat? In seinen neueren Arbeiten, die auch die Serie \u201eMarking Time\u201c beinhalten, arbeitet Plep mit Papier. Feine Linien durchziehen gleichm\u00e4\u00dfig die Bildfl\u00e4che, diese sind jedoch nicht mit einem Lineal und Stift gezogen, sondern sind durch genaue Faltung entstanden. In diesen entstandenen Rechtecken arbeitet er mit einem breiten und vor allem dicken Farbauftrag. Jedes Rechteck \u00e4hnelt sich und ist doch ganz verschieden. Eine Allegorie auf die vergehende Zeit und jeden einzelnen Tag. Aus der gleichen Serie ist auch eine plastischere Arbeit entstanden mit dem Titel \u201eInnere Ordnung\u201c. Hier verl\u00e4sst Plep wieder das flache Papier und arbeitet die Rechtecke als kleine Schachteln aus. Hier wird die Allegorie und die Repitation noch einmal verst\u00e4rkt und Malerei und Plastik verbinden sich wieder zu einem Element.<\/p>\n\n\n\n<p>Christian Pleps Arbeiten entstehen als Prozess. Seine Arbeiten spielen mit verschiedenen Aspekten der \u00dcberlagerung, der Ver\u00e4nderung, der Offenheit, mit dem Verborgenem, mit Schatten und Licht. Am Anfang steht ein bestimmtes Gef\u00fchl, dass durch das Werk \u00fcbermittelt werden soll. Doch welches Gef\u00fchl letztendlich beim Betrachter ausgel\u00f6st wird, h\u00e4ngt dann wieder von dessen inneren T\u00fcren ab.&#8220; [&#8230;]<\/p>\n\n\n\n<p>Carla Johanna Frese<\/p>\n\n\n\n<p>Einf\u00fchrung &#8222;Hinter der T\u00fcr&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>28. April 2019&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Faszinierend sind aber auch die Werke von Christian Plep. So hat er eine Collage aus Stoff-Fetzen in unterschiedlichen Terrakotta-T\u00f6nen geschaffen. Ganz zart und filigran sind die wei\u00dfen Papierreihen, die er akribisch \u00fcbereinander gelegt hat. Titel des Werkes: \u201eEnklave\u201c.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Sigrid Schuer<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGrenzen \u00fcberwinden&#8220; Weser Kurier<\/p>\n\n\n\n<p>24.3.19<\/p>\n\n\n\n<p><strong>In Christian Pleps Arbeiten<\/strong> steht das Material ganz im Vordergrund. In der Tradition der \u201earte povera\u201c benutzt er oft Fundst\u00fccke als Malgrund und zur Umwandlung in seine informelle Kunst. Auch bei seiner, f\u00fcr ihn eher untypischen Bronze \u201erising\u201c geht es um Transformation, der Ph\u00f6nix der aus der Asche steigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Martin Koroscha: Einf\u00fchrung &#8222;Leuchtstoff II&#8220; im KunstMIX Dez. 2018<\/p>\n\n\n\n\n\n<p>[&#8230;]<strong>&#8222;Egal ob wuchtig oder zart<\/strong>, fast alle Werke dieser Ausstellung setzen auf Beschr\u00e4nkung. Bei den Motiven, den Strukturen und bei der Farbpalette gilt: weniger ist f\u00fcr den K\u00fcnstler mehr. Zu den wichtigsten Grundfarben geh\u00f6ren unsauberes Kalkwei\u00df, verwittertes Grau und unterschiedliche Beiget\u00f6ne, daneben als Kontrast gedeckte Schwarz-, Braun- und Rostt\u00f6ne. In farbintensiveren Feldern verwendet der K\u00fcnstler gern Varianten von Blau und dunklerem Rot, gelegentlich pastellartig abged\u00e4mpftes Rosa oder verwaschenes Gr\u00fcn. Leuchtende Farben sind eher selten. Denn der K\u00fcnstler m\u00f6chte, wie er sagt, nicht sch\u00f6n oder besonders bunt malen, sondern so, dass die Bilder eine gro\u00dfe Bandbreite von Assoziationsm\u00f6glichkeiten zulassen. Grelles, Schrilles oder Explosives vermeidet er. Seine Kunst soll eher ruhig und meditativ sein und so zur Entschleunigung unseres Lebens beitragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Immer wieder scheinen tiefere Bildebenen durch, etwa die groben Linien der Vorzeichnung, bestimmte Farbfl\u00e4chen, Schriften oder gegenst\u00e4ndlichere Figuren. Dadurch verweist uns der K\u00fcnstler auf die alte malerische Frage nach dem Verh\u00e4ltnis zwischen dem Dr\u00fcber und dem Drunter: Was alles versteckt sich unter der Oberfl\u00e4che eines Bildes?&#8220; [&#8230;]<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Heinz Weber (Wilke-Atelier BHV)<\/p>\n\n\n\n<p>Er\u00f6ffnungsrede &#8222;Die Geometrie der kleinen Dinge&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00e4rz 2017<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Eindrucksvoll auch die Serie in Linoldruck &#8222;Soap Bubble Box&#8220;&#8230;.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Uwe Dammann&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Blaumeier geht baden&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Weser Kurier 10.06.2016<\/p>\n\n\n\n<p><strong>&#8222;Ma\u00dflos geometrisch&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Klar und metallisch klingen die T\u00f6ne des Vibrafons im Krankenhausflur des St.-Joseph-Stifts. Wo gerade eben noch die Gummisohlen der drei Dutzend Vernissage-Besucher auf dem Linoleumboden quietschten, kehrt bed\u00e4chtige Ruhe ein, als Musiker Matthias Entrup seinem K\u00fcnstlerfreund Christian Plep zur Ausstellungser\u00f6ffnung eine klangliche Meditation widmet. Mit diesem Thema hat sich der Bremer Maler und Objektk\u00fcnstler auseinandergesetzt und stellt nun 40 Werke dazu aus, die bis Anfang November in der Brunnengalerie im St.-Joseph-Stift zu sehen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zentrum der abstrakten Acryl- und \u00d6lmalereien von Christian Plep steht die rechteckige Form. Als durchg\u00e4ngiges Motiv findet sich dieses polygone Element in nahezu allen seiner Arbeiten der Serie \u201eMeditationen\u201c. Was jedoch so geometrisch daherkommt und hier und da vorgibt, rechtwinklig oder ann\u00e4hernd quadratisch zu sein, ger\u00e4t bei genauerem Hinsehen aber doch nie v\u00f6llig exakt.<\/p>\n\n\n\n<p>Anders verh\u00e4lt sich das, wenn sich der K\u00fcnstler dem Gegenst\u00e4ndlichen zuwendet. Mit selbst gearbeiteten Holzk\u00e4sten schafft er sich jeweils einen nach allen vier Seiten gleichm\u00e4\u00dfig begrenzten Ausdrucksraum, den er sich dann collagenartig zu eigen macht. Mit Farben, Leinwandfetzen oder Materialien wie alten Fotos entstehen auf diese Weise in sich geschlossene Objekte, die dann \u2013 nebeneinander aufgereiht \u2013 wieder in Verbindung zueinander gebracht werden k\u00f6nnen. Dass alle K\u00e4sten gleich gro\u00df gearbeitet sind, verst\u00e4rkt diesen Eindruck. W\u00e4hrend die Acrylbilder eher eine Anspielung auf die Geometrie sind, zeigt sich in diesen Holzarbeiten die Ma\u00dfgenauigkeit des Handwerkers, der er ebenfalls ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zentrum der abstrakten Acryl- und \u00d6lmalereien von Christian Plep steht die rechteckige Form. Als durchg\u00e4ngiges Motiv findet sich dieses polygone Element in nahezu allen seiner Arbeiten der Serie \u201eMeditationen\u201c. Was jedoch so geometrisch daherkommt und hier und da vorgibt, rechtwinklig oder ann\u00e4hernd quadratisch zu sein, ger\u00e4t bei genauerem Hinsehen aber doch nie v\u00f6llig exakt.<\/p>\n\n\n\n<p>Anders verh\u00e4lt sich das, wenn sich der K\u00fcnstler dem Gegenst\u00e4ndlichen zuwendet. Mit selbst gearbeiteten Holzk\u00e4sten schafft er sich jeweils einen nach allen vier Seiten gleichm\u00e4\u00dfig begrenzten Ausdrucksraum, den er sich dann collagenartig zu eigen macht. Mit Farben, Leinwandfetzen oder Materialien wie alten Fotos entstehen auf diese Weise in sich geschlossene Objekte, die dann \u2013 nebeneinander aufgereiht \u2013 wieder in Verbindung zueinander gebracht werden k\u00f6nnen. Dass alle K\u00e4sten gleich gro\u00df gearbeitet sind, verst\u00e4rkt diesen Eindruck. W\u00e4hrend die Acrylbilder eher eine Anspielung auf die Geometrie sind, zeigt sich in diesen Holzarbeiten die Ma\u00dfgenauigkeit des Handwerkers, der er ebenfalls ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Genau wie er schichtet, so entwickelt er auch Tiefe, wie einige der \u201eB\u00fccher des Lebens\u201c zeigen, die mal aufgeschlagen daliegen, mal aufrecht stehen und dazu auffordern, einen Blick in das herausgearbeitete Innere oder gleich ganz hindurch zu werfen. \u201eIn eine andere Welt vielleicht\u201c, sagt Plep und deutet auf das rechteckige Loch in einem der stehenden Exemplare. F\u00fcr manche Menschen sei ein Buch doch so etwas wie ein Fenster in eine andere Welt, erkl\u00e4rt er seinen Ansatz. Ein solches Sinnbild wird bei ihm zum greifbaren Objekt. Das Material f\u00fcr diese Serie, die er seit 2013 stetig fortf\u00fchre, wie er sagt, finde er auf der Stra\u00dfe, in \u201eZu Verschenken\u201c-Kisten am Wegesrand. Den B\u00fcchern wolle er ein zweites Leben gew\u00e4hren, wobei er den inhaltlichen Bezug vollkommen \u00fcberarbeitet, denn Titel, Autorenangaben oder Texte sind nicht mehr erkennbar. Dass es sich um B\u00fccher handelt, verdeutlicht auch hier neben der Materialbeschaffenheit nur noch die Form.<\/p>\n\n\n\n<p>Christiane Mester&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Weser Kurier 24.09.2015<\/p>\n\n\n\n<p><strong>&#8222;Pleps Bilder fallen aus dem Rahmen&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bissenhausen &#8211; Was ist, wenn Bilder aus dem Rahmen fallen? Wenn sie ihren Platz in Ausstellungen nicht finden, weil sie das falsche Format haben, nicht zu einer Serie passen oder in einer Galerie nicht auf die W\u00e4nde gezeichnet werden darf, obwohl das Kunstwerk dies erfordert? Meist bleiben die Arbeiten dann im Atelier des K\u00fcnstlers, werden h\u00f6chstens noch im Internet gezeigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem Bremer K\u00fcnstler Christian Plep ging es so mit einigen seiner Werke, bis ihn Museumsdirektor Bafu\u00df (Jochen Tiemann) aus Heiligenloh-Bissenhausen fragte, ob er nicht im Petit Mus\u00e9e ausstellen wolle. Plep wollte. So entstand die Ausstellung \u201eAus dem Rahmen gefallen&#8230;\u201c, die bis zum 2. Oktober, t\u00e4glich von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang, in Bissenhausen 11 im bundesweit wohl kleinstem begehbaren Museum zu sehen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei den neun Kunstwerken handelt es sich um informelle Malerei. Auf Leinwand, Holz oder Karton entstehen in langen Prozessen, in \u00fcbereinander liegenden Schichten, vorwiegend monochrome Bilder. Das hei\u00dft; Bilder, deren Farben dicht beieinander liegen. Grau- und Braunt\u00f6ne dominieren die Arbeiten. Manchmal treten sie mit einer rosa oder blauen Fl\u00e4che in Dialog. Oder ein Bild wird durch ein rostiges Eisenst\u00fcck erg\u00e4nzt. Und dann ist da noch eine Art Bild-Ecke, \u00d6l auf diversen Materialien, die ihre Fortsetzung in einer Bleistiftlinie auf der Museumswand findet.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei seiner Er\u00f6ffnungsrede zeigte sich Museumsdirektor Bafu\u00df sehr angetan von dem, was Plep ausstellt, obgleich er betonte, mit abstrakter Kunst normalerweise nicht so viel anfangen zu k\u00f6nnen. Seine Begeisterung wurde von etlichen der zur Vernissage gekommenen G\u00e4ste geteilt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ausstellung zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass sich die Bilder von Plep so gut ins Petit Mus\u00e9e einpassen, dass man meinen k\u00f6nnte, sie seien daf\u00fcr gemacht. Oder scheint das Museum um die Bilder gebaut? Auf alle F\u00e4lle erg\u00e4nzen sich der k\u00fcnstlerische Ansatz von Pleps Bildern und der des Museums hervorragend oder, um es mit den Worten des K\u00fcnstlers zu sagen: \u201eDieses Museum ist ja auch ein aus dem Rahmen Gefallenes.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Kreiszeitung 02.09.2015<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220; [&#8230;] <strong>pleps gem\u00e4lde stehen<\/strong> in der malerischen tradition des informel. dessen vorwiegend psychologisierende interpretation, in welcher der gestus als k\u00fcnstlerexpression und die von figurativer assoziation befreiten, mit wenigen symbolen (wie dem kreuz oder dem bogen) aufgeladenen bilder als seelenlandschaften gesehen wurden, erweist sich anhand der themen himmel, h\u00f6lle, liebe und tod als treffende analyseebene f\u00fcr die gem\u00e4lde. [&#8230;]&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>dr. ingmar l\u00e4hnemann<\/p>\n\n\n\n<p>kurator der st\u00e4dtischen galerie bremen | aug 2014<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;[\u2026] christian plep zeigt eindrucksvolle ausschnitte der norwegischen natur: verschneite bergr\u00fccken in kraftvoll breiten pinselstrichen, bei denen die flie\u00dfspuren der wei\u00dfen farbe unmittelbar auf die transistorische konsitenz des schnees verweisen, der zu flie\u00dfendem wasser schmelzen oder als lawine den berg hinunter rauschen kann, w\u00e4hrend die harten rinnsale grauer farbe an die sch\u00e4rfe des gesteins erinnern, das zwischen den schneemassen hervor lugt. in diesen bildern kann man eine malerische kraft beobachten, die frei und unabh\u00e4ngig an munchs verschneite norwegische landschaftsbilder ankn\u00fcpft.(&#8230;)\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>dr. dorothee hansen<\/p>\n\n\n\n<p>stellv. direktorin der kunsthalle bremen | in der einf\u00fchrung f\u00fcr die ausstellung &#8222;der letzte schrei&#8220; | okt 2011<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;und dann christian pleps \u201cnearly dead \/ blue horse\u201d, das titelbild der ausstellung. eine collage mit \u00fcbermalung auf papier; von gr\u00f6\u00dfter meisterschaft im umgang mit dem material, mit der farbe, mit dem farbwasser und\/oder l\u00f6sungsmittel im pinsel. plep beherrscht eine technik, die den vorgang des malens, seine dynamik im bild festh\u00e4lt \u2013 die tropfspur. sein farbauftrag, der pinselkontakt mit dem papier hinterl\u00e4sst vertikale spuren auf der leinwand, die r\u00e4ume fl\u00e4chig werden lassen, gegenst\u00e4nde und figuren gefangen setzen. hier malt ein mensch, der blau zu lieben scheint. und \u00fcberg\u00e4nge von blau ins gr\u00fcn und grau. ein blaumeier.&#8220;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>dr. martin roeder<\/p>\n\n\n\n<p>abteilungsleiter im kulturressort | aus der einf\u00fchrungsrede der ausstellung &#8222;casino royal blau&#8220; | sep 2009<\/p>\n\n\n\n<p> &nbsp; &nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rainer Be\u00dfling: Einf\u00fchrungsrede &#8222;louder.than.bombs&#8220; in der GaDeWe 7. x. 2022 | Bremen. Vor einigen Jahren traf ich Christian Plep in der Villa Sponte. Mir waren einige seiner Arbeiten aus Gruppenausstellungen des Blaumeier-Ateliers bekannt. Seine Bilder waren mir sofort aufgefallen, durch ihre stille Pr\u00e4senz. Er gab mir damals eine Brosch\u00fcre mit einigen Abbildungen, klein, aber eindrucksvoll. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/organic-tapestry.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/47"}],"collection":[{"href":"https:\/\/organic-tapestry.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/organic-tapestry.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/organic-tapestry.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/organic-tapestry.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=47"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/organic-tapestry.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/47\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126,"href":"https:\/\/organic-tapestry.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/47\/revisions\/126"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/organic-tapestry.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=47"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}